Was Unterstützungsorganisationen in Deutschland, den USA und Großbritannien Plattformgenossenschaften bieten – und was nicht

Die meisten Texte über Plattform-Genossenschaften streiten darüber, ob das Modell funktioniert. Eine neue Bachelorarbeit der WU Wien stellt die nützlichere Frage: Warum werden so wenige überhaupt gegründet?

Tim Jonas Spitczok von Brisinski hat sich dafür die Unterstützungsseite angesehen. Er analysiert, wie sich sechs Support-Organisationen aus den USA, Großbritannien und Deutschland öffentlich darstellen, und gleicht deren Angebote mit dem ab, woran Gründerinnen und Gründer tatsächlich scheitern. Das Ergebnis ist auf vertraute Weise unangenehm. Alle sechs qualifizieren Teams und leisten Aufklärung über das genossenschaftliche Modell. Finanzielle Unterstützung gibt es, wenn überhaupt, als einmaliges Format statt als dauerhaftes Kapital. Genau eine der sechs Organisationen adressiert die Marktbarriere, also das schlichte Problem, gegen Konkurrenten mit sehr viel längerem Atem bestehen zu müssen. Interessenvertretung leistet keine einzige.

Sein schärfster Befund ist ein Widerspruch, den er beim Namen nennt: kollektive Rhetorik über einer individuellen Leistungsarchitektur. Die Sprache handelt von Kooperation und geteiltem Eigentum. Die Programme darunter sind gebaut wie Startup-Acceleratoren, ausgerichtet auf die vielversprechende Einzelperson und bewertet an individuellen Meilensteinen. Das ist ein strukturelles Problem, kein kommunikatives, und es erklärt mit, warum die Pipeline dünn bleibt, obwohl die Argumente für demokratisches Eigentum weitgehend gewonnen sind.

Entstanden ist die Arbeit am Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften (RiCC) der WU Wien, das von Florentine Maier geleitet wird und dort auch eine Reihe weiterer Themen zu Plattform-Genossenschaften ausgeschrieben hat.

Wir weisen hier aus einem praktischen Grund darauf hin. Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz schreiben uns regelmäßig mit der Frage, wo sie anfangen sollen. Bis jetzt hatten wir nichts auf Deutsch, das wir ihnen schicken konnten. Jetzt schon.

Zur Arbeit:
https://research.wu.ac.at/de/publications/barrieren-bei-der-gründung-von-plattform-genossenschaften-analyse/

Aktuell ausgeschriebene Themen am RiCC:
https://www.wu.ac.at/ricc/lehre/aktuell-ausgeschriebene-themen